Samstag, 2. April 2011

Hi Leute!

Was ist in den letzten Tagen und Wochen erwaehnenswertes passiert? Wie ist die Lage in Tarabuco und Umgebung? ¿Qué pasó? – wie der Bolivianer sagt.

Pujllay
Am dritten Maerzwochenende war das Hostel fuer die hohen Staatstiere gebucht und wir haben uns wirklich Muehe gegeben, es in ein Schmuckstueck zu verwandeln, was uns auch geglueckt ist und wir sehr zufrieden waren!
Nach getaner Arbeit

Leider mussten wir alleine streichen, umraeumen, pinseln und schuften. Unser Hostelchef zieht es vor, die noch zu erledigenden Dinge aufzuzaehlen anstatt mit anzupacken und schleicht stattdessen lieber ueber den Hof und macht unsinnige Sachen wie Blumen umpflanzen. Was fuer ein Glueck, dass er uns hat!  Jedenfalls war am Samstag dann alles fertig, nur die Gaeste haben gefehlt. Irgendwann ist wenigstens die Kultusministerin eingetrudelt, mit ihrem Gefolge. Sie macht einen sehr netten Eindruck, hat mit uns smallgetalkt, in Deutschland studiert, traegt (wahrscheinlich gefaelschte) Chucks und ist fuer bolivianische Verhaeltnisse echt hipp!

Die anderen Zimmer blieben leer. Haette man sich eigentlich schon denken koennen, wir sind doch schliesslich in Bolivien und am Ende wird alles anders als geplant. Uns hat es nicht gestoert und wir haben gemeinsam mit den anderen Freiwilligen, die uns besucht haben, die Konzerte im Koliseum und die anschliessenden Partys im Dorf unsicher gemacht.
Am naechsten Tag war Mittags im Restaurant die Hoelle los und wir hatten alle Haende voll zu tun, die Leute zu bedienen und zufrieden zu stellen. Hat geklappt – super! Also konnten wir uns danach auch ins Getuemmel in den Strassen stuerzen, die ganzen Textil- und Kunststaende bewundern und den Festzug angucken: bunt kostuemierte Einheimische tanzen zu Trommel- und Gitarren-Rhythmen und singen und klatschen und steppen dabei. Die singen so hoch, dass es fast schon in den Ohren wehtut. Alles hat sich Richtung Festwiese bewegt, wo der riesige Altar, die Pukara, aufgestellt war. Das ist eine Leiter, die mit allen moeglichen Lebensmitteln und landwirtschaftlichen Produkten dekoriert ist: Mayo, Ketchup, Butter, Marmelade, Getraenke, Brot, Gemuese und oben ein halbes Rind! Damit dankt man der Pachamama fuer die gute letzte Ernte und bittet fuer weitere gute Ernten. Ausserdem wird den Seelen der gefallenen Kriegern im bolivianischen Unabhaengigkeitskrieg gedacht und geehrt. Man tanzt um die Pukara und bespielt sie mit mysterioesen Melodien.

Und wer sass auf der Tribuene und hat sich alles beguckt? Evo und sein Vizepraesident Lineras. Also sind sie doch im Dorf, haben nur nicht bei uns geschlafen.
links: Vize, rechts: Chef

Spaeter als wir mit Frageboegen auf dem Dorfplatz Touristen befragt haben, wieviel Geld sie ausgegeben haben, ob sie zufrieden sind und was sie verbessern wuedern, kam uns eine Autokolonne von der Festwiese entgegen. Angefuehrt von einem weissen Jeep. Am Steuer sass der Vize, neben ihm sein Boss. Mit offenem Fenster sind sie durch das Dorf gefahren, haben ihre Haende aus dem Wagen gehalten, sodass die Leute sie beruehren konnten. Mir kommt es vor, als waere es das groesste fuer einen Bolivianer, einmal im Leben den Praesidenten beruehrt zu haben. Alle draengeln sich, Frauen halten ihre Kinder Richtung Auto und wollen, dass sie wenigstens an den kleinen Finger ran kommen. Komisch! Dann fuhren beide ihrem Begleitungstross davon und selbst die Polizeiwagen hatten Probleme mit dem heissen Reifen des Vizepraesidenten mitzuhalten.
Was fuer ein Wochenende, Kultur pur, ganz viele traditionelle Kostueme, Kunststaende und eine sympathische Staatsspitze. Unvergesslich!

Arbeit:
Dr. Sube macht im Moment Pause, weil es im Krankenhaus nur sehr wenig zu tun gibt und die vielen Medizinstudenten eher an die Reihe kommen als wir – natuerlich! Deshalb konzentrieren wir uns im Moment auf die ¨Kinderbelustigung¨. Der Spielesalon laeuft spitze, und jeden Tag stehen Kids im Eingangstor, die spielen wollen. Letzten Donnerstag haben wir uns mit den Kleinen hingesetzt und ein paar Regeln aufgestellt, weil es trotzdem immer wieder Streitereien gab, wer schon wieder den Kickerball geklaut hat, wieso die Jungs die Maedels nicht an den Billardtisch lassen, oder wieso Miguel auf das Bild von Prima gekritzelt hat. Das hat super geklappt und auch die Aergerfritzen haben gute Vorschlaege gemacht, wie man sich den anderen gegenueber verhalten soll. Ich hoffe, dass das auch eingehalten wird und nicht nur heisse Luft war. Jeder durfte dann seinen mit Wassermalfarbe bemalten Handabdruck als Unterschrift auf das Plakat setzen: 47! Wow!!! So viele!



In Tarabuco gibt es kaum Freizeitmoeglichkeiten, weshalb die Kids echt froh ueber das Spielezimmer sind und gerne kommen. Deshalb wollen wir das Angebot noch erweitern und einen ¨Action-tag¨ einrichten, an dem wir mit den Kiddies und Jugendlichen auf den Feldern und Wiesen rund um Tarabuco Schnitzeljagden machen oder Taktik- und Laufspiele spielen. Gegen Energieueberfluss. Das haben wir letzten Dienstag getestet und sind bei bestem Wetter zusammen auf den Bolzplatz marschiert. Kettenkriegen, Ballonfangen und andere Kebbelspiele. Das war super, hat uns allen Spass gemacht und wir waren nachher echt kaputt  Und ein Spielplatz ist im Moment auch schon in Planung, der Buergermeister muss nur noch das Einverstaendnis geben. Es gibt viel zu tun!
In der Schule laeuft alles, obwohl ich mich erstmal dran gewoehnen musste, die Kinder hier nicht mit den Deutschen 5.-Klaesslern zu vergleichen. Man kann nur sehr langsam voranschreiten und muss alles x mal wiederholen. Aber mit Geduld geht ja bekanntlich alles. Und die Farben und Zahlen und selbst die Begruessungen koennen sie, und demonstrieren mir das auch immer, wenn sie mich treffen
In der Abendschule geht es da schneller voran, obwohl immer wieder Situationen auftreten, die mich verdutzen. Eine 28 jaehrige Schuelerin fragt mich, ob Personalpronomen die eigenen Namen sind... Und eine andere weiss nicht was der Unterschied zwischen a.m. und p.m. ist, obwohl die Uhrzeit hier ueberall so ausgedrueckt wird. Bolivien ist nicht Deutschland, und man muss bei ganz grundlegenden Dingen beginnen. Ok, muss man akzeptieren und sein Bestes geben!
In den naechsten Tagen werde ich zusaetzlich noch in der Schmiede nebenan anfangen und lernen, wie man Hufeisen schmiedet oder andere Dinge aus Eisen herstellt. Ich freue mich dem alten Schmied mal zu zeigen, dass die Deutschen garnicht so ungeschickt sind, wie er glaubt!

Abschied:
Leider muss Thea kommenden Montag schon wieder nach Deutschland zurueck fliegen und verlaesst das Hostel. Das ist echt schade, weil unser eingespieltes Team jetzt nicht mehr vollstaendig ist und jeder Abschied einen neuen Abschnitt bedeutet. Dafuer kommt Max aus Camiri nach Tarabuco und wird ihren Job hoffentlich genauso gut machen, ich bin zuversichtlich. In vier Wochen heisst es dann auch fuer mich die Koffer zu packen, denn das letzte Drittel meines Bolivienjahres werde ich an der brasilianischen Grenze in Puerto Quijarro verbringen und dort mit den Muecken kaempfen;)

Friseur:
Ich hab mich tatsaechlich gestern getraut in Tarabuco zum Friseur zu gehen, das wurde auch langsam Zeit! Unsere Kuechenfee Irma hat mir erzaehlt, dass ihr Bruder bei ihnen zu Hause die Haare schneidet. Und weil man von dem eigentlichen Friseur auf der Plaza nicht viel gutes hoert hab ich doch mal zugeschlagen. Also sass ich dann im Hinterhof von Irmas Haus, um mich rum vier Huehner, ein Flohhund und die kleine Schwester die mir immer Frisurtipps gegeben hat. Als die Haelfte der Maehne schon auf dem Boden lag, erzaehlt mir der Bruder, dass er Ingenieurwesen studiert. Moment! Ich dachte du machst eine Friseurausbildung! Ne, ausbildung braucht man hier nicht, mein aelterer Bruder aus Santa Cruz hat mir das mal gezeigt und so verdien ich mir ein bisschen Geld nebenbei! Hm! Mit anderen Worten, ich war das Versuchskaninchen! Aber hab zwei Bolivianos weniger bezahlt als sonst. In diesen Zeiten muss man halt wirtschaftlich denken. Und so schlecht siehts nicht aus! ;)

Viele Gruesse an euch in allen Ecken der Welt und natuerlich nach Hause!
Hasta la vista, baby!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen