Letzten Freitag gings auf nach Oruro. In Sucre trafen wir uns mit anderen Feierlustigen aus der Umgebung und gemeinsam starteten wir per Bus neun Stunden nach Oruro. Wenn man von der kleinen Reifenpanne, die uns bestimmt anderthalb Stunden Zeit kostete, absieht, kamen wir auch ganz gut durch. Angekommen wurden die Sachen in unserer Unterkunft abgestellt und dann sofort die Vorkarnevalsparties ausgetestet. Herrlich, es war noch echt viel los und wir haben auf der Strasse gerockt. Zu Musik, die der DJ mit CDs aufgelegt hat!
Die Nacht in unserer Absteige war besser als gedacht, wir hatten keine Betten, nur einen leeren Raum, wo wir uns zu 20 Mann reinquetschen mussten. Der Boden war zwar ein bisschen hart aber ok.
Am naechsten Tag gings los: ausgestattet mit Regenponchos, extra Fan-t-shirt, Dosenspruehschaum und Konfetti gings zu unserem Platz auf der Tribuene. Kaum sassen wir, fing der Spass auch schon an. Von allen Seiten kamen Wasserbomben angeflogen und der Spruehschaum in allen moeglichen Geschmacksrichtungen flog auch nur so durch die Luft. Ich hab mich zwischendurch gefuehlt, als waer ich frisch aus der Dusche gekommen und haette vergessen, den Schaum aus den Haaren zu waschen. Aber einfach zu lustig, um aufzuhoeren. Hier machen alle mit, das stoert keinen, das gehoert dazu wie Kamelle und Mottowagen zum deutschen Karneval, was man hier nicht kennt. Da war der Umzug manchmal nebensaechlich, weil man sich verteidigen musste. Der Zug war super! Ich hab noch nie sowas lebensfrohes gesehen, die Kostueme waren so aufwaendig, ideenreich und bunt, die Taenze haben zum Mitmachen animiert. Jede Gruppe hatte seine eigenen Ordner, die immer auf die Einhaltung der Reihen geschaut haben (was natuerlich nicht geklappt hat und trotzdem alle kreuz und quer liefen) und den erschoepften Jecken durch die Masken Trinken einfloessten. Sehr beeindruckend auch die ganzen Musikgruppen. Die sind zum Teil in 16er Reihen marschiert und hatten oft so um die 150 Musiker. Gewaltig, wenn auch nicht ganz synchron, aber das ist das schoene, typisch amerikanische. Da stoert es niemanden, wenn mal einer falsch reinfurzt. Nach drei Stunden dachten wir dann, dass es bestimmt bald zu Ende ist. Nix da. Oruro gilt als der zweitgroesste Karnevalszug der Welt nach Rio und dementsprechende gings weiter. Ich glaube ich hab keine Tanzgruppe zweimal gesehen und jede war auf ihre eigenen Art ueberzeugend. Ob kleine springende Kinder, die Tinkui, die wie die Indianer ums Feuer tanzen oder die Gruppen aus Tarabuco mit ihren Schellen an den Fuessen, die Gaensehaut machen, wenn sie mit ihren Rhythmen an dir vorbeisteppen. Die ¨entrada¨ ging ungeschlagene 18 bis 19 Stunden ohne Pause. Nachts wurden Feuerwerke angezuendet und trotz der Kaelte waren immer noch einige Gruppen barfuss unterwegs, um besser tanzen zu koennen. Und bis vier Uhr waren die Tribuenen noch prall gefuellt, die Party ging ab, a la boliviana. Normalerweise geht man danach in Clubs um weiter zu feiern, wir haben die Strasse vorgezogen und mit den anderen getanzt und gefeiert.
Am naechsten Tag ging es dann muede wieder zurueck nach Sucre, wo erstmal geschlafen wurde. Denn am Montag und Dienstag geht es in Sucre rund. Zu viert waren wir unterwegs und ich muss sagen, das ist noch eine groessere Wasserschlacht als in Oruro. UNGLAUBLICH. An jeder Ecke kannst du dir fuenf Bomben fuer 10 cent kaufen und einfach reinfeuern in die Menge. Nur du musst damit rechnen, dass alles zehnmal zurueck kommt. Hier ists so, dass sich verschiedene Gruppen zusammentun und eine kleine Blaskapelle mieten, mit der sie dann durch die Strassen ziehen. Deshalb hat man einfach aus allen Richtungen andere Songs, andere Lieder groelen gehoert. Der Hauptplatz hat gebebt. Und trotz Regen hat das keinen gestoert und es wurde einfach weiter gemacht, weiter getanzt, weiter gefeiert. Ich hab das Gefuehl, dass es hier zu dieser Zeit keine Regeln gibt. Wer in die Stadt geht, ist selber Schuld und wird nass, keinen juckts wenn ein Unbekannter kommt und grinsend eine Wasserbombe ueber dem Kopf zum Platzen bringt. Wir wurden von allen Seiten auf einen Kurzen eingeladen, die Bolivianer freuen sich, dass sie uns zeigen koennen wie toll ihr Karneval ist, laden uns zum Mittanzen ein, schmeissen aus Sympathie noch mehr Wasserbomben in unsere Richtung. Lachen, Tanzen, Trinken. Ich glaube, das Gefuehl hier den Karneval mitzuerlebt haben, ist was besonderes und zeigt die Lebensfreude von den Menschen und macht einen viel entspannter und gelassener. Ich muss mich nicht aufregen, wenn ein kleiner dicker Junge mit funkelnden Augen mir einfach hinterfotzig eine Wasserbombe an den Kopf feuert. Egal. Auch wenn man oft nur wenig zum Leben hat und knapsen muss, an Karneval wird gefeiert ohne Sorgen und nicht gegeizt, die Fremden einzuladen! Ueberwaeltigendes Gefuehl. Ich hatte endlich die Gelegenheit nach fast einem halben Jahr mal wieder eine Posaune vor den Mund zu bekommen. Der Pink Panther geht immer noch, nur der Ansatz ist eher suboptimal. Wir waren voellig klitschnass, das Wasser stand in den Schuhen, aber es war ein einzigartiges Erlebnis.
Am Dienstag geht die Party weiter aber es ist ruhiger. Man grillt gemuetlich zusammen und schmueckt seine Autos und Haeuser, um fuer ein erfolgreiches folgendes Jahr zu bitten. Mit einem grossen Grillfest im Hostel war dann auch fuer uns der Karneval zu Ende. Der Hostelchef ist dann noch mit der qualmenden Asche um jeden einzelnen gelaufen, um ihm die boesen Geister auszutreiben. Und dann gings wieder zurueck auf die Doerfer.
Pujllayfest
Jetzt wirft das Pujllayfest am dritten Wochenende im Maerz seine Schatten voraus. Das Touristenbuero von Tarabuco spannt uns im Flyerfalten und Plakateaufhaengen ein. Wir sollen an diesem Wochenende mit Frageboegen durch das Dorf laufen und wichtige statistische Informationen von den Touristenhorden sammeln – dafuer gibts ein VIP-Ticket mit freiem Eintritt fuer alle Abendveranstaltungen und Konzerte. Gebongt!
Ausserdem kam vor einigen Tagen eine Abordnung von der Regierung ins Hostel und wollte sich die Zimmer angucken. Nach kurzer Besichtigung wurde gebucht: der Praesident von Bolivien, der Vizepraesident und eine Ministerin werden vom 19. auf den 20. Maerz hier im Hostel logieren. Mal schauen wie die so drauf sind Gerade deshalb ist noch viel zu tun. Alberto hat sich in den Kopf gesetzt, die meisten Waende zu streichen, Blumenkaesten anzubringen und zu bepflanzen und alles herzurichten. Ausserdem muessen die Suiten eingerichtet werden. Die eigentlich fuer sechs Betten gedachten Schlafraeume werden in Einzelzimmer verwandelt und so ausgestattet, dass keine Wuensche offen bleiben. Evo Morales und sein Stellvertreter moechten jeweils eine Sitzecke mit Couch und Sesseln vorfinden, die noch gekauft werden muessen, und im Bad fehlen noch Duschvorhang und andere Kleinigkeiten. Und die Unterkuenfte fuer den Begleitungstross... Es kommt viel Arbeit auf uns zu, aber wir sind schon sehr auf den Staatsbesuch gespannt und freuen uns. Schliesslich kommt das auch nicht alle Tage vor.
Das ist schon wieder mehr geworden, als ich eigentlich schreiben wollte, aber irgendwie gibts immer so viel zu erzaehlen. Der naechste Blogeintrag kommt bestimmt:) und da versuche ich mich kuerzer zu fassen!
Ich druecke euch,
Johnny
boah....16 posaunis nebeneinander!!!
AntwortenLöschenda bekomm ich leuchtende äuglein!
mir gehts auch so. seitdem ich hier bin, keine posaune mehr in der hand gehabt.
wie schön dus hattest/hast. hier in perth, da gibts kein karneval. allerdings war ich über das karnevalswochenende auf nem roadtrip. gibt bald ein neuen post. damit konnte ich mich gut ablenken und musste nicht so neidisch sein:)
schön, dass es dir so wunderbar geht.
bei mir gehts mal auf und mal ab.
freu mich so sehr auf bald, wenn wir alle wieder zurücksind. auch wenn ich im moment noch garnicht nach hause will...nie wieder!!! ;)
tschüssi, großer Johnny. Gedrückt!