Erstmal, leicht verspaetet, wuensche ich euch allen, mit denen ich noch nicht gesprochen oder geschrieben habe, ein frohes neues Jahr 2011!!!
Wo soll ich anfangen? Der letzte Monat war voller erwaehnenswerter Erlebnisse.
Nachdem wir Weihnachten gut hinter uns gebracht hatten hiess es fuer mich: auf nach Peru! Dort hatte ich mich mit Swen und Anne, die beide auch im Moment in Suedamerika arbeiten bzw. studieren, zum Silvesterfeiern verabredet. Allerdings gab es in Bolivien ziemliche Krawalle, weil auf Grund eines Beschlusses des Praesidenten alle Sprit- und damit auch Lebensmittelpreise aufs doppelte anstiegen. Hier ging zwischenzeitlich gar nichts mehr. Keine Busse in den Staedten, keine Langstreckenbusse, voellig ueberfuellte Supermaerkte (alle befuerchteten ein weiteres Ansteigen der Preise) und ein drohender Generalstreik. Das waren natuerlich super Aussichten und die besten Rahmenbedingungen auszureisen... Zum Glueck konnten wir zu ein paar Freiwilligen noch nach La Paz fliegen und so die Strassenblockaden umgehen, aber auch dort war die Situation nicht besser. Nach langem Suchen fanden wir dann doch noch einen Taxifahrer, der sich zutraute uns sicher durch die die Stadtausgaenge belagernden Menschenmassen zu bringen, um so schnell wie moeglich aus Bolivien rauszukommen. Das war eine Fahrt! Ueberall war Stau und es ging zwischenzeitlich garnichts mehr, weil wir nicht die einzigen waren. Nach 2 Stunden Irrfahrt durch die kleinsten und engsten Nebenstrassen hatten wir es geschafft, unbemerkt aus La Paz zu fahren und an den bewaffneten Demonstranten vorbeizukommen. Lediglich eine Bananenschale zierte unsere Frontscheibe Im Nachhinein eine Schnapsidee, das zu versuchen, da der Taxifahrer als Streikbrecher und wir als Verantwortliche gesehen worden waeren, falls sie uns erwischt haetten... Aber bekanntlich wird ja alles gut!
Auf jeden fall kam ich dann doch noch rechtzeitig zu Silvester in Cusco an und konnte (fast) wie zu Hause mit den beiden ins neue Jahr feiern. Die Tradition von einem schoenen Feuerwerk kennt man in Peru offensichtlich nicht, da wurde schon um 10 mit dem Boellern angefangen und ohne Hoehepunkt bis in die nacht weiter gemacht. Echt gefaehrlich, weil man ohne Ruecksicht einfach die Knaller in die Menge geschmissen hat. Wir haben abseits angestossen und uns den wahnsinn beguckt. Um 12 wollten wir dann, wie die Peruaner, ein paar mal um den Platz laufen (soll Glueck bringen), hatten aber nach einer halben Runde wegen eines kleinen Zwischenfalls keine Lust mehr... Dazu kam noch, dass Swen ein Boeller am Bein explodiert ist und die Discos zu teuer waren und keinen guten Eindruck gemacht haben, weshalb wir dann ins Hostel gegangen sind.
Trotz Fisselregens war es total schoen, eine super Kulisse hat die plaza de armas von Cusco gebildet mit zwei grossen Kirchen und ringsrum Restaurants mit kleinen Balkonen! Irgendwie doch unvergesslich.
Direkt am naechsten Morgen um halb sieben wurden wir von unserem Guide im Hostel abgehohlt und begannen unsere viertaegige Machu Picchu Tour durch den peruanischen Hochlanddschungel! Gemeinsam mit acht anderen Touris, 2 Guides und zwoelf Einheimischen Traegern gings los durch die wilde Natur, ueber Stock und Stein und zig Stufen hoch und wieder runter. Wir mussten zum Glueck nur unsere eigenen Sachen tragen und haben uns immer wieder gewundert, wenn die Peruaner mit ihren 30 Kilos auf dem Ruecken (Tische, Stuehle, Zelte, Essen...) ans uns vorbei gerannt kamen und immer schon an den Raststellen alles aufgebaut hatten, wenn wir keuchend eintrudelten. Die Natur ist gewaltig, und man fuehlt sich voellig verloren wenn man weit und breit nichts anderes als Baeume, Berge, Nebel und ab und zu eine alte Inkasiedlung sieht. Beeindruckend. Am vierten Tag hiess es dann frueh aufstehen, um zur alten Inkastadt Machu Picchu aufzubrechen. Hier verabschiedeten wir uns von unseren einheimischen Begleitern, die eine Abkuerzung nahmen und schon nach Cusco fuhren. Einer hat uns erzaehlt, dass er schon 14 Jahre lang Touristen auf dem Trail begleitet, aber selber noch nie Machu Picchu gesehen hat, weil er den Eintritt nicht bezahlen kann. Unglaublich!
Denn das muss man wirklich mal gesehen haben! Leider war es ziemlich nebelig, weshalb wir nicht die versprochene Sicht vom Sonnentor auf die Stadt im Urwald hatten, aber als wir dann davor standen und es aufklarte, war es ein ueberwaeltigendes Gefuehl! Vor dir liegt eine hunderte Jahre alte Anlage mitten im Nirgendwo und du bist vier Tage dafuer durch Peru gewandert. Wow!
Danach gings wieder zurueck nach Cusco, wo Anne, Swen und ich unsere Reise nach Arequipa fortsetzten. Arequipa ist bekannt fuer die tiefen Canyons und Schluchten- und fuer die River Rafting Ausfluege. Wir drei waren uns sofort einig, dass sowas nicht fehlen darf;) Also auf ins Schlauchboot und dann rein ins Abenteuer. ¨Highside left¨, ¨get inside¨ und ¨hard forward¨ waren die Befehle unseres Guides und wir hatten einen Heidenspass und wurden gut nass. Swen wollte sogar auf eigene Faust das Flussbett erkunden und verliess fuer kurze Zeit das Boot...
Nach Arequipa ging es weiter nach Puno, wo es auf die schwimmenden Inseln der Uros Indianer gehen sollte. Frueher haben sie die Gegend um den Titicacasee bevoelkert, kamen dann aber mit den maechtigeren Inka in Konflikt, weshalb sie sich Inseln aus Schilf bauten und auf den See fluechteten. Alle zwei Wochen muss die oberste Schicht erneuert werden, damit kein Wasser in die Schilfhaeuschen eindringt. Die Inseln sind echt nicht gross (vielleicht 20x20m) und man muss wirklich dort geboren sein, um darauf leben zu koennen!
Danach haben wir nochmal die Sonneninsel unsicher gemacht und sind wieder viel gewandert und haben fast alle Ecken erkundet. Und ein Tag am Strand hat natuerlich auch nicht gefehlt!
Zwischstation auf dem Weg nach La Paz haben wir in der Hafenstadt Copacabana gemacht, wo uns der kleine Hunger ueberkam. Waehrend Anne shoppen war, haben Swen und ich uns jeder ein Mittagsmenu fuer 80 Cent in einem kleinen schaebigen Restaurant in einer Nebenstrasse gegoennt. Im Nachhinein eher nicht so gut, weil es uns die naechste Nacht und den Tag darauf in La Paz nicht so ueberragend ging. Wohl oder uebel haben wir uns hinter die in Kaufrausch geratene Anne durch die Geschaefte geschleppt und trockenes Brot gemuemmelt. Trotzdem: Anne, du warst wie eine Krankenschwester! - weshalb es dann auch wieder besser ging! Der Trip nach La Paz bildete das Ende unserer gemeinsamen zwei Wochen und die beiden reisten zurueck nach Peru und ich fuhr wieder nach Sucre. Diesmal mit dem Bus, weil sich die Situation in Bolivien beruhigt hatte!
Swen und Anne, ich fands total schoen, dass wir uns hier am anderen Ende der Welt getroffen haben und zusammen durch Peru und Bolivien gezogen sind! Es war ne coole und lustige Zeit mit euch zwei Knalltueten!
Nach kurzer Verschnaufpause in Sucre ging es dann mit vier anderen Freiwilligen auf die Salz- und Silbertour durch den bolivianischen Suedwesten. Unsere erste Station war die alte Silberstadt Potosí. Hier knechteten die Spanier die indigene Bevoelkerung und liessen sie unter unmenschlichen Bedingungen und hohen gesundheitlichen Risiken Silber und andere Edelmetalle in den Stollen des Cerro Rico (reicher Berg) abbauen. Es wird behauptet, dass bis heute ca. 8 Millionen Menschen in dem Berg umgekommen sind und ein Spanier schrieb in seine Aufzeichnungen, dass kein Silber sondern indigenes Blut nach Spanien geschifft wurde! Kaum zu glauben ist auch, dass schon 12 jaehrige Kinder mit Hammer und Brechstange nach Zinn suchen, um ihre Familien ernaehren zu koennen...
Danach ging es weiter nach Uyuni, einer kleinen einsamen Stadt am Rande des Salar de Uyuni, dem groessten Salzsee der Welt. Von dort begann unsere dreitaegige Jeeptour durch die Salzwueste. Zwischendurch hat man weit und breit nichts anderes gesehen als Salz und Salz. Echt fantastisch, natuerlich eine gute Gelegenheit, perspektivelose Fotos zu schiessen;) Waehrend der Expedition sind wir ausserdem an Geysiren und Steintaelern vorbeigekommen, durch Wuesten gefahren und haben hunderte Flamingos in den Lagunen beobachtet. Was fuer ein Erlebnis morgens um sechs, vor dem Fruehstueck, in Badesachen durch die eiskalte Natur zu laufen, um in heisse Quellen zu springen und dort den Sonnenaufgang zu erleben! Die Landschaft in Bolivien ist total abwechslungsreich und man findet die unterschiedlichsten Zonen ganz nah beieinander, Natur pur!
Zum Abschluss ging es nochmal ein paar Tage nach La Paz, wo Julien, Benny, Karla, Bene und ich uns ins Nachtleben stuerzten und das Ende unserer Ferien feierten!
Denn wieder zurueck in Sucre hiess es Sachen packen und dann auf nach Tarabuco. Das ist ein kleines Doerfchen und mein naechster Einsatzort, 1 ½ Stunden von der Hauptstadt entfernt. Wir Zivis muessen alle drei Monate unser Dorf wechseln, um mehrere Regionen von Bolivien kennen zu lernen. Hier arbeite ich seit Donnerstag im oertlichen Krankenhaus als Zugucker und Maedchen fuer alles. Fiebermessen, Akten raussuchen, Patienten von A nach B bringen oder einfach den Aerzten ueber die Schulter schauen. Einem Patienten musste das gebrochene Handgelenk wieder eingerenkt werden und ein anderer konnte nicht mehr orinieren, weshalb ein kuenstlicher Ausgang gelegt wurde. Das ist sehr interessant und ich hoffe, dass ich viel lerne, um demnaechste vielleicht sogar schon selber operieren zu koennen, nein Spass Am 01. Februar beginnt hier wieder die Schule und wie gewohnt werde ich auch dort arbeiten. Also, der Alltag hat mich wieder ein und ich fuehl mich hier, wie auch auf der Sonneninsel, bestens aufgehoben. Nur dass es hier kaum Wasser gibt und wir zum Duschen nach Sucre fahren muessen, nervt!
Wow, das ist ja wieder ein Eintrag geworden, aber jetzt seid ihr perfekt informiert und wieder auf dem neuesten Stand. Ich hoffe euch geht es allen gut und ihr wisst fliessendes Wasser und mehr oder weniger konstante Spritpreise zu schaetzen;)
Saludos,
Johnny
Es war wieder total spannend und die Bilder dazu,wunderbar.Muß doch ein Buch werden.
AntwortenLöschenHerzlichst,O u.O von Maisdörpe
Hey Johnny :)
AntwortenLöschenEndlich wieder ein Eintrag von dir :) Hab mich sehr amüsiert, als ich deinen Blog gelesen habe. Super! Noch viel Spaß :) Bis "bald", Katja
Mein Güte Johnny altes Haus!
AntwortenLöschenDu hast unsere Reise wirklich sehr gut wiedergegeben und dein Salz & Silber Tour hört sich auch echt voll interessant an. Ich hoffe, ich komme noch dazu noch einmal nach Bolivien zu reisen um mir das auch anzugucken!
Ich fands auf jeden Fall auch richtig schön dich hier unten mal zu treffen und es hat soo nen Spaß gemacht mit dir rumzureisen! Wünsch dir jetzt nen super Start in deinem neuen Projekt! WIr hören uns... oder komm mich doch mal besuchen! ;)
Johnny du altes Hause ;)
AntwortenLöschenalle warten auf einen neuen Bericht ;)