Montag, 1. November 2010

Domingo en La Paz

Was mache ich alleine in La Paz? meine drei kollegen haben heute ihre dreitaegige bergsteigertour auf den 6000er huayna potosi begonnen- ohne mich, denn ich konnte mich nicht dafuer begeistern: schnee, kalt, hoch, lange... und ausserdem hab ich gehoert und von weitem gesehen, dass es hier in la paz den hoechsten golfplatz der welt geben soll und deshalb war mein sonntagsprogramm gerettet, man muss sich ja auch mal was goennen:)
morgens an der clubanlage in mallasilla angekommen wurde ich mit tasche, schlaegern und baellen ausgeruestet und lernte meinen caddy fuer diesen tag kennen: johnny! hier ist es ueblich, dass jedem spieler ein caddy zur seite steht, der so gut wie alles fuer einen uebernimmt, einen so gut wie es geht beraet und unterstuetzt und man eigentlich nur noch laufen und schlagen muss. das war echt ungewohnt, aber auf so einer hoehe ist man nach einiger zeit schon sehr dankbar fuer diesen service. dann gings auch recht schnell auf die runde. Ich hatte Glueck, meine flightpartner fuer die ersten neun loecher waren sehr sympatisch: ein aelterer Herr mit oesterreichisch-ungarischen wurzeln und ein kleines maedchen mit ihrem vater.



Golf ist in bolivien wenig verbreitet und unbekannt, nur die oberschicht trifft sich hier auf den golfplaetzen. das wird einem sofort klar: die

clubanlage vom feinsten hergerichtet, sowohl mit aussen- alsauch innenpool, riesiges clubhaus, angegliederter Fussballplatz- keine wuensche bleiben offen. Im krassen Gegensatz: sobald man das gelaende richtung stadteinwaerts verlaesst, kommen bettelnde kinder bei roten ampeln auf die autos zugelaufen, frauen versuchen an ihren kiosken ihr taegliches brot zu verdienen und muell haeuft sich an den strassenraendern. dieser unterschied laesst sich leider auch in dem bewusstsein der bolivianer wiedererkennen. so war es fuer das kleine maedchen, etwa zwoelf jahre alt, voellig normal ihren caddy hinter ihren baellen herlaufen zu lassen, schlaeger wegzuwerfen, die er wieder holen musste, ihm den weg zu versperren oder ihn einfach anzufauchen, wenn er ihr tipps geben wollte. Von Akzeptanz und Respekt keine Spur. Dabei verkuendet ein Holzschild auf der Anlage grossspurig: ´Se puede ser caballero sin ser golfista, pero no se puede ser golfista sin ser caballero´, was uebersetzt so viel heisst wie: ´Gentlemen muessen kein golf spielen, aber Golfer muessen Gentlemen sein!´. dieser satz passt ganz gut und sollte von vielen hier ernster genommen werden. Das waere wenigstens ein Anfang...
die zweiten neun loecher waren johnny und ich dann nur noch zu zweit und konnten uns gut unterhalten und ein wenig fachsimpeln. Die Landschaft ist auch hier wieder einmalig, die berge spektakulaer- und meine ergebnisse auch nicht schlecht.



Anschliessend gings wieder zurueck nach downtown la paz, wo ich mit eva, einer medizinstudentin, rolaf, dem diskussionswuetigen pensionierten amerikaner, und einem jungen schweden lecker abendessen war. eine urige kneipe mit kerzenschein. ein perfekter sonntag!
Morgen gehts zurueck auf die Isla del sol, wo ich die naechsten tage meinen unterricht vorbereiten werde, Nelson bei welchen arbeiten auch immer helfe und vielleicht sogar gaeste bekoche - wie ein Gentleman eben;)

Gute nacht, schlaft gut!

3 Kommentare:

  1. das war ja wirklich ein sonntag wie aus dem bilderbuch.die sozialen diskrepanzen werden dich bestimmt noch oft begleiten. sei mit solounternehmungen nicht zu waghalsig.

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  2. Hey Johnny,
    also echt mal nen cooler Sonntag! Schön unter die Oberschicht gemischt und Golf gespielt, cool! Also ist der Platz schöner als in Maisdörpe? Aber anstrengender ist es, das glaub ich dir! War ja auch am Wochenende in den Bergen unterwegs auf über 4000m, also die Hostaltreppen hochzuschleichen war schon mordsmäßig, die Luft will einfach nicht in die Lunge! Man gewöhnt sich ja auch dran, aber länger als nen guten Tag habe ich da oben nicht ausgehalten!
    Na gut, müssen nochmal überlegen, ob wir uns nicht im Januar treffen können!
    Liebe Grüße ganz knapp hinter die Grenze!
    Swen

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  3. Hola profesor!
    :D was für ein Sonntag- du mitten in der Oberschicht...ich kann mir das schon gut vorstellen, wie du denen die Bälle um die Ohren haust...:)
    Mein Papa sorgt auch immer brav dafür, dass ich deine Artikel immer verfolgen kann-dafür ein Chapeau! Denn mir gefällt die Art und Weise wie du schreibst;)
    Liebste Grüße aus Barcelona!Pass weiterhin auf dich auf
    un besito Ann-Sophie

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