Was ist im November so alles auf der Sonneninsel passiert?
In der Schule lief alles seinen Gang. Jeder Montag faengt wie immer mit dem Salud de la semana an, einem Wochenapell, zu dem sich alle Schueler in Reihen (natuerlich Jungen und Maedchen getrennt) aufstellen und ein bisschen auf der Stelle marschieren. Die Profes duerfen auf dem Podest vor Kopf Platznehmen und dann geht es zum Programm ueber: Nationalhymne mit Hissen der Fahne, Ansprache eines Lehrers zu einem ernsten Thema wie Umweltverschmutzung, Kolonisation, Rassismus, Gedichtsvortraege, Sketche und Taenze der Schueler. Die ganze Veranstaltung dauert um die anderthalb Stunden und ist jedesmal wieder sehr interessant und unterhaltsam. Danach beginnt der Unterricht. In den letzten Wochen waren alle ziemlich angespannt, da nun die Evaluationszeit beginnt und die Schueler in jedem Fach geprueft werden. Deshalb hiess es nochmal alles zu geben, um so gut wie moeglich auf die Pruefungen vorbereitet zu sein. Unter Pruefung versteht man hier aber nicht, dass jeder an einem eigenen Tisch sitzt und in Ruhe seine Aufgaben alleine erledigt. Nein, Pruefung heisst, dass man von der Tafel die Aufgaben abschreibt und sich dann nach draussen auf das Gras setzt, um im Liegen, Stehen oder in der Hocke sein Koennen unter Beweis zu stellen. Zwischendurch laufen juengere Sportklassen zwischen den Prueflingen her oder ein Ball fliegt auf sie zu. Und unterhalten und abgeschrieben wird sowieso, egal was die weissen Freiwilligen sagen;) Trotzdem faellt ungefaehr die Haelfte der Schueler durch! Aber wir sind hier in Bolivien, da faellt das nicht so ins Gewicht, da ist das abendliche Fussballmatch tausendmal wichtiger.
Mit den kleinsten Kindern in der ersten Klasse haben wir angefangen ´Head, Shoulders, Knees and Toes´und `I like the flowers´zu singen. Herrlich, spaetestens seit dem kommt uns nachmittags haeufig ein singendes und ueber beide Ohren grinsendes Kind entgegen!
Mitte November ist auch Daniel, ein anderer Freiwilliger auf der Insel angekommen, um uns in der Schule zu unterstuetzen. Gemeinsam haben wir nachmittags die Insel erkundigt: die alten Inkaruinen in Challapampa mit dem heiligen Pumafelsen, der Touriweg von Nord nach Sued und das wunderschoene Hinterland. Sogar ein Tagestrip mit Privatboot auf die 8 Kilometer entfernte Mondinsel war Programmpunkt. Dort wurden zu Zeiten der Inka alle Jungfrauen der Sonneninsel hingeschifft, um zu gegebener Zeit dem Inkaherrscher uebergeben zu werden. Die Ruinen sind noch sehr gut erhalten und man kann sich richtig vorstellen wie die Frauen dort frueher gelebt haben- Geschichte life!
Ein Wochenende standen ploetzlich meine beiden Kumpels und Teilzeitbolivianer Lukas und Max mit ihrem Kollegen Tim vor unserer Tuer, und wollten Urlaub auf der Insel machen. Wir haben zusammen zwei feucht froehliche coole Tage mit Lagerfeuer am Strand und selbstgemachtem Stockbrot gehabt und es war mal wieder richtig schoen die zwei zu treffen,zu quatschen oder zusammen in Lago zu schwimmen.
Die naechsten Tage haben wir dann zu fuenft (Miriam, Martin, Benny, Untch und ich) unser Muellprojekt in Angriff genommen. Dazu haben wir undendlich viele Steine in eine Ecke des Schulhofs geschleppt und Karren voll Sand rangekarrt, um einen Muelleimer zu errichten, weil die Insel ziemlich verdreckt ist, wenn man genau hinschaut (Lukas, du siehst wir arbeiten doch!) Leider haben wir aus Zeitdruck nur das Fundament fertig bekommen, weil Benny und ich am 26. November schon wieder zurueck nach Sucre mussten. Aber die anderen Freiwilligen nach uns werden das Projekt schon zu Ende bringen (muessen).
Nach getaner Arbeit auf dem Steinhaufen
Die letzte Nacht auf der schoensten Insel im Titicacasee haben wir unter freiem Himmel am Strand verbracht. Mega schoen, das Rauschen der Wellen zu hoeren, und dabei die Sterne zu zaehlen. Ich glaube, dass es hier mehr davon gibt!?
Am 26. hiess es dann von allen Abschied nehmen und mit der lancha nach copacabana und dann mit dem bus nach la paz zu fahren. Es ist mir echt schwer gefallen, die Isla zu verlassen, weil es eigentlich der perfekte Einsatzort ist. Obwohl ich am Anfang nicht so begeistert war, wird einem auf der Insel nicht langweilig, es gibt immer wieder ein neues Naturwunder zu bestaunen, die Hostalchefs und Lehrer waren super nett zu uns und wir haben so manch eine lustige Nacht mit ihnen verbracht. Das alles zurueck zu lassen, jetzt wo die Schueler sich an uns gewoehnt haben und uns als Lehrer akzeptieren und wir fast wie Einheimische geworden sind ist schon schwierig aber so bekommt man eben auch die Chance andere Ecken von Bolivien kennen zu lernen.
Auch Riesenlachse schwimmen im See;)
In La Paz haben wir eine Nacht verbracht. Der Gegenbesuch bei Max und Lukas stand an. Leider ging es Lukas nicht so gut und meine beiden Kollegen, mit denen ich in die Metropole gefahren bin, waren auch am kraenkeln. So haben nur Max und ich uns abends auf den Weg ins Nachtleben gemacht und sind in einer super Disco haengen geblieben, wo wir dann auch, bis es wieder hell wurde, geblieben sind. Echt ein toller Abend, und ich muss sagen, ich haette nicht gedacht, dass man so gut auf lateinamerikanische Musik tanzen kann;)
Am naechsten Tag ging nach kurzem Schlaf unser Bus nach Sucre, wo wir heute morgen gegen 7 uhr angekommen sind. Das ist fast, wie wenn man nach Hause zurueck kommt. Fast! Endlich gibt es wieder Essen en masse, Duschen die keine Elektroschocks verteilen und Internet;) Morgen faengt unser dreiwoechiger Spanischkurs an. Endlich mal wieder ein bisschen lernen- ich haette nicht gedacht, dass ich das mal sagen wuerde aber es stimmt! ich freu mich drauf;)
Einen schoenen sonnigen ersten Advent (hier leider ohne Adventskranz oder Weihnachtsschmuck) nach Deutschland und zu euch Globetrottern in Neuseeland, Peru, Spanien, Tschad, Australien und Bolivien...
Hasta luego,
Johnny
Hola Kleener,
AntwortenLöschendas hoert sich alles voll klasse an. Die Bilder von der Insel sind einfach unglaublich schoen. Das war ja mal ein genialer Arbeitsplatz! Ich glaub dir ja, dass die Sterne hell scheinen, aber besser als hier in Neuseeland kann ich es mir kaum vorstellen. Da müssten wir doch eigentlich mal ein paar Vergleichsbilder machen.
Druecker nach Bolivien
Die Grosse