Hostal vom Steg aus: links oben unser Zimmer, rechts Kueche und Comedor
Nachbarbucht
Miriam, ich, Benny im Lago Titicaca
Zusammen mit Miriam und Martin ging der nächste Tag mit unserem ersten Schulgang los: mit den kleinsten Kindern aus dem Kindergarten Zähne putzen, da sich viele Familien keine Zahnbürsten leisten können und die Zähne dementsprechend aussehen. Die Kids sind super drauf und total herzlich: wir wurden direkt von allen umarmt, geknuddelt und bestaunt. Wir sind hier fast eine Attraktion. Vorgestern zum Beispiel saß ich neben einem kleinen Jungen, der plötzlich ganz fasziniert und völlig beeindruckt meine Armbehaarung streichelte und sich kaum davon abbringen ließ - Die Bolivianer haben weder Bein- noch Armbehaarung, die hier als Zeichen von Reichtum gilt. Nach der Pause gings dann zum Abiturjahrgang: Die Großen haben meistens keine Lust Englisch zu lernen, kommen mindestens 20 Minuten zu spät zum Unterricht und versuchen uns aus der Reserve zu locken. Zum Beispiel fragt einer, ob er mal kurz auf die Toilette gehen kann und auf einmal läuft die gesamte Klasse raus und spielt Fußball. Mir ist das zum Glück noch nicht passiert, mal abwarten…
Im Moment machen Benny und ich den Sportunterricht für die Klassen 2 bis 8, der hier fast nur aus Fußball besteht. Wir haben das gemeinsame Aufwärmen und das Spielen von Laufspielen zum Schluss eingeführt. Das macht echt viel Spaß und mit Sport kann man ja bekanntlich am besten das Eis brechen, da uns am Anfang doch viele misstrauisch gegenüber standen und nicht mit uns reden wollten. Inzwischen winken uns aber fast alle zu und grinsen verschmitzt, wenn sie morgens bei uns am Hostal vorbeilaufen, um zur Schule zu kommen. Nächste Woche Montag haben wir uns mit dem Schulleiter verabredet, mit dem wir dann unseren richtigen Stundenplan besprechen und dann auch noch ein paar andere Fächer geben können.
Obwohl wir noch nicht lange hier sind, haben wir uns dann am Wochenende wieder ein paar Tage Auszeit in La Paz gegönnt und sind die Death Road runtergepest. Mit Mountainbikes ging es vom schneebedeckten Berggipfel fast vier Stunden über Schotterpisten bergab in den Dschungel. Vorbei an riesigen Farnen, mit Efeu bewachsenen Sträuchern, Palmen, Bananen- und Papayabäumen, Wasserfällen und durch Flüsse. Eine Schlucht hinter der nächsten, hunderte Meter tiefe Abhänge und gigantische Felswände. Die Natur hier ist gewaltig und man bekommt Gänsehaut, wenn man soweit das Auge reicht nur Urwald sieht, der sich über zig Berge zieht und sich durch das Tal ein großer Fluss schlängelt. Zusätzlich war es ein bisschen nebelig, aber das hat dem Ganzen noch mehr Exotik verliehen.
Martin, Miriam, ich, Benny zur Halbzeit im Dschungel
Jonas mit Fahrrad unter einem ‚Wasserfall‘
Natur pur
Unsere wagemutige Truppe auf dem ‚Balkon‘
Hier auf der Insel lernt man sowieso sehr viele Dinge zu schätzen. Es gibt keine Autos, zum Internet muss man anderthalb Stunden bergauf laufen und Handys finden kein Netz. Komischerweise wird einem trotzdem nicht langweilig: der See ist Spaß pur, wir spielen viel und werden nach der Schule oft als billige Arbeitskräfte von Nelson missbraucht. So mussten wir schon ein Kompostloch ausbuddeln, was bei dem steinigen Boden sehr ätzend werden kann, im Nachbardorf Erde ausstechen und mit der Fähre nach Challa transportieren, damit in dem neu angelegten Beet auch Blumen wachsen können. Und dann hieß es noch den neuen Nachbarn beim Hausbau zu helfen: Türen, Fliesen, Toiletten, Holzdielen und andere schwere Dinge von der Fähre zum Haus schleppen. Aber: Das hält fit und wir werden als Schränke nach Deutschland zurückkommen:)
Im Nachhinein bin ich doch froh hier auf der Insel zu sein und freue mich auf die nächsten anderthalb Monate, auf die Arbeit in der Schule und auf die Erfahrungen, die wir machen werden!
Bis dahin, viele bolivianische Grüße, hasta luego,
Johnny
hola altes haus,
AntwortenLöschenich finde es wirklich spannend wie abgeschnitten von der umwelt du doch bist. das ist wirklich mal eine ganz andere erfahrung und es freut mich zu hoeren, dass es dir ja anscheinend auch ganz gut geht. ich wuensche dir noch viel spass beim moebelschleppen.
besito kathi
p.s. ich bin ja mal gespannt ob du als schrank nach hause kommst und ich mich dann komplett hinter dir verstecken kann ;)